Das TV-Duell 2013 oder, Coke gegen Pepsi

Am 1.September 2013 hatten wir alle das Privileg, die Spitzenkandidaten Angela Merkel und Peer Steinbrück im großen TV-Duell zu bestaunen. Obwohl bestaunen wohl zu weit gegriffen wäre, denn immerhin sind sich CDU und SPD so ähnlich, wie die Inhaltsstoffe der großen siruphaltigen Getränkehersteller aus den Staaten. Christdemokraten und Sozi's, beide pro Europäische Union, pro Euro-Einheitswährung, pro Haftung für verschuldete Staaten und natürlich im Glauben beseelt „Staat geht vor Privat“. Es sollte also ein recht müder Abend werden, zumal die beiden Kontrahenten 90 Minuten ohne Pause befragt werden würden.

Doch schon in den ersten Minuten hatten die Zuschauer ihren Spaß. Raab fragte gekonnt nach, ob Merkel denn beim Wahl-O-Mat tatsächlich CDU an erster Stelle in der Parteienliste vorfand, oder doch die inhaltlich sehr ähnliche SPD. Eine richtige Antwort zur Frage bekam er nicht. Merkel redete gekonnt breiig von ihrer CDU.

Weiter ging es mit der Frage, wie denn die Staatsschulden einmal abgetragen werden sollen. Die Antwort von Merkel war einer der vielen Lacher des Abends:“Wir haben da sensationelles erreicht.“ Wenn man die 17 Milliarden Neuverschuldung bedenkt die allein im Haushalt 2013 verabschiedet wurden, ist das wirklich ein Brüller. Nicht zu vergessen, das maximale Haftungsvolumen für die Euro-Rettung von über 600 Milliarden Euro.

Auch Maybritt Illner hakte kritisch nach, warum denn die SPD, trotz der ganzen Kritik am Euro-Rettungskurs der Regierung, immer in den Abstimmungen zugestimmt hätte. Die Antwort von Steinbrück ala „historischer Verantwortung für Europa“ empfand ich angesichts der Sanktionen gegen Mitgliedsstaaten der EU und der Geldpolitik der EZB als schäbig. Wäre die SPD an der Regierung und Merkel frischer Kanzlerkandidat, sie hätte uns die selbe Antwort serviert.

 

Einen großartigen Lacher lieferte Illner dann noch mit der Gehalt-Frage an Steinbrück. „Finden sie eigentlich das Politiker in diesem Land genug verdienen?“ Seine Antwort:“Was bezwecken sie denn mit der Frage?“ ließ meine Bauchmuskeln kurzzeitig krampfen. Interessant war es noch zu hören, das der Sozialdemokrat Steinbrück auch privat krankenversichert ist. Nun bin ich natürlich kein Freund von staatlichen Versicherungen, aber von einem echten Sozialdemokraten hätte ich anderes erwartet.

 

Spannend wurde es dann gegen Ende der Sendung, als die NSA-Späh-Affäre von Raab angesprochen wurde. Nach Merkels Auffassung wird kein deutscher Bürger abgehört, das sich im Land jedoch Abhörzentralen der NSA befinden, dürfte seit dem TV-Duell auch spätestens der letzte Michel wissen. Natürlich werden nur Terroristen bespitzelt.

Auf Raabs Frage, ob Merkel denn Edward Snowden dankbar wäre, da er ja den Skandal öffentlich gemacht hätte und nun jeder Bescheid weiß, erwiderte Sie nur lapidar: „Das habe ich nicht gesagt.“ Warum auch Dankbarkeit zeigen, für jemanden, der nicht will das sich die Geschichte (Stasi, Gestapo) wiederholt, und sein Leben in Freiheit aufgibt, um uns zu zeigen, welche Macht dieser Geheimdienst besitzt.

Den negativen Erwartungen zum Trotz waren es schlussendlich ganz unterhaltsame 90 Minuten. Allerdings weniger, weil die Kandidaten mit Inhalten glänzten, sondern vielmehr die Moderatoren, allen voran Raab, mit guten Fragen bestachen und auch hartnäckig auf eine Antwort bestanden. Steinbrück ist meiner Ansicht nach der Gewinner des „Duells“. Er gab die klareren Antworten und wirkte, bis auf sein Schlussstatement, weniger aufgesetzt und interessiert. Hätten wir ein Zwei-Parteien-System mit Wahlzwang, ich würde wohl Steinbrück wählen, auch in dem Wissen, das 8 Jahre Merkel definitiv genug sind. Zum Glück gibt es noch andere Parteien und die Wahl zwischen Not und Elend bleibt uns erspart. Auf ein TV-Duell, ausgestrahlt auf 4 Sendern, welches den Leuten suggeriert, es gebe nur zwei Parteien und zwei Kandidaten, kann man jedenfalls in Zukunft verzichten.

 

 

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PS: hier ist das Wahlvideo einer Alternative:

http://www.youtube.com/watch?v=L-4rFmwUOWc

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